oroCommerce shopping with smart phone and credit card, Quelle: pixabay.com

Im Herbst 2015 hat mit OroCommerce ein neuer Player die Bühne betreten. Der hat sich auf die Fahnen geschrieben, den Markt für B2B e-Commerce zu revolutionieren. Die Köpfe hinter OroCommerce sind die ehemaligen Magento-Gründer Yoav Kutner und Roy Rubin. Nach ihrer Erfahrung aus dem Magento-Projekt sowie aus den ersten Oro-Projekten OroCRM und OroPlatform sahen sie einen dringenden Bedarf an einer flexiblen, niedrigpreisigen B2B e-Commerce-Plattform für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU).

Das Unternehmen stellt heraus, dass OroCommerce die einzige e-Commerce-Plattform sei, die von Anfang an nur für B2B entwickelt wurde. Seit Januar 2017 ist nun die Version 1.0 von OroCommerce verfügbar. Wir haben sie auf jeden Fall schon mal einem ersten Test unterzogen. Ania Hentz und Frank Dege stehen Rede und Antwort und berichten von ihren ersten Eindrücken zur neuen B2B e-Commerce-Lösung.

Frau Hentz, was war Ihr erster Eindruck beim Test des OroCommerce Demoshops?

Ania Hentz: silver.solutions bietet mit silver.eShop bereits seit mehr als 13 Jahren eine eCommerce-Plattform, die von Anfang an für B2B entwickelt wurde. Und diese ist längst bei zahlreichen namhaften Kunden erfolgreich im Einsatz. Daher sind wir natürlich besonders neugierig auf OroCommerce, die ebenfalls von sich sagen, eine reine B2B-Shoplösung zu sein.

Tatsächlich wird bereits beim ersten Blick klar, dass es sich um einen B2B-Shop handelt, mit den für dieses Segment gängigsten Funktionen. Angebote anfordern und verwalten ist ebenso möglich wie Freigabeprozesse im Unternehmen abzubilden oder eine Bestellung über das Quickorder-Formular oder aus einem gespeicherten Warenkorb heraus. Etwas überrascht hat mich das spezielle Nutzerkonzept. Auf den ersten Blick gibt es jedenfalls keinen als solchen gekennzeichneten Warenkorb. Artikel werden zunächst auf eine Einkaufsliste gesetzt und von dort aus kann dann entschieden werden, ob ein Angebot beim Verkäufer angefordert wird oder ob die Liste direkt als Bestellung raus geht. Das scheint schon etwas speziell.

Herr Dege, worauf haben Sie bei der B2B e-Commerce-Lösung als erstes geschaut?

Frank Dege: Als Spezialist für die Einbindung von e-Commerce in bestehende Businesssysteme und Geschäftsprozesse habe ich mir also zunächst einmal die Möglichkeiten für eine Anbindung von OroCommerce an ein bestehendes ERP-System angeschaut. Mein erster Eindruck? Bei OroCommerce handelt es sich um ein Standalone-System, das keine enge Anbindung an eines der vielen ERP-Systeme am Markt vorsieht. Ein Web-Service-Interface zu OroCommerce ermöglicht es ERP-Systemen, Bestellungen im Shop abzuholen und weiterzuverarbeiten. Allerdings basiert OroCommerce auf der Oro Business Platform. Auf deren Grundlage ist mittlerweile bereits das PIM akeneo und ein Open-Source-ERP namens Marello verfügbar. Eventuell sind hier dennoch weiterreichende Interaktionen möglich.

Welche Funktionen empfanden Sie als besonders praktisch und hilfreich?

Ania Hentz: Als Nutzer war ich positiv überrascht von den Layout-Optionen, die man selbst wählen kann. Diese verändern nicht einfach nur das Aussehen, sondern die Informationen werden dann auch inhaltlich unterschiedlich aufbereitet. Ebenfalls bereits vorhanden sind Kundengruppenpreise, mehrere Währungen und verschiedene Preise pro Produkt sowie die Integration von Lagerbeständen.

Frank Dege: Mir persönlich hat die individuelle Login-Seite für Corporate-Kunden gut gefallen. Das ist technisch eine kleine Sache, holt aber den Kunden, der da gerade für sein Unternehmen einkauft, optimal ab.

Wo sehen Sie im Moment die Hauptzielgruppe von OroCommerce und wo besteht Ihrer Ansicht nach noch Nachbesserungsbedarf?

Frank Dege: Für mich ist OroCommerce ganz klar eine Lösung für Unternehmen, die eine „online first“ Strategie fahren. Ein ganz klassischer Fall wäre zum Beispiel ein Start-up mit einem vollständig neuen Geschäftsmodell. Wenn es noch kein ERP und kein PIM gibt, oder die Daten aus ERP und PIM für das Online-Geschäft nicht genutzt werden sollen, dann benötigt der Kunde auch keine weitreichenden Anbindungen. Dann jedenfalls kann man die Funktionen von OroCommerce voll ausnutzen. Und der Kunde kann es darüber hinaus ohne Rücksicht auf Verluste an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Für Kunden, die bereits ihr gesamtes Geschäft über ein ERP abbilden, erscheint mir die Plattform nicht so geeignet, weil die Integration nicht nur hohe Aufwände erzeugt, sondern ggf. nur eingeschränkt möglich ist. Dies erfordert demzufolge eher ein Produkt, das der Strategie „Integration first“ folgt wie silver.eShop.

Ania Hentz: Ja, ich stimme Frank da vollkommen zu. Für mich ergibt sich ein großer Widerspruch aus dem Anspruch, eine vollwertige, leistungsfähige B2B e-Commerce-Lösung anzubieten, und gleichzeitig keinerlei Integration in die bestehenden Geschäftsprozesse vorzusehen. Weitere Baustellen wie z.B. eine noch in der Entwicklung befindliche Variantenlogik oder eine in der Community Edition fehlende SearchEngine sind gegen diesen grundsätzlichen Widerspruch eher kleine Mankos.

Vielen Dank für die ersten Eindrücke! Wir beobachten gespannt, wie es weitergeht mit dieser interessanten neuen Shoplösung.

B2B e-Commerce Plattformen im Vergleich*

 OroCommercesilver.eShopHYBRISORACLE / ATGWEBSPHERE
Licence cost$35k-$250k$10-$25k$200k +$200k - $1M$1M +
Time to market1-6 months6-12 months7-9 months12-48 months9-12 months
Cost of implementation$20k-$300k$50-$150k$500k-$750k$1M - $6M$1M
Available integrationsN.A.Microsoft Dynamics, SAPSAP, Microsoft DynamicsSAP, Microsoft DynamicsSAP, Microsoft Dynamics
Fullscale CMSNoYes (fully integrated)Extra module WCMSOracle WebCenterIBM Web Content Manager
Integrated search engine for CMS and e-commerceAvailable in Enterprise EditionYesAvailable separatelyAvailable separatelyAvailable separately
Access to robust innovative communityYesYesNoNoNo

* Quellen:
https://www.slideshare.net/TeroJuola/oracle-atg-ibm-web-sphere-commerce-sap-hybris-magento-comparison
https://www.orocommerce.com/compare-ecommerce-platforms

https://blog.silversolutions.de/wp-content/uploads/2017/03/holiday-shopping-1921658_1920-1024x682.jpghttps://blog.silversolutions.de/wp-content/uploads/2017/03/holiday-shopping-1921658_1920-150x150.jpgSusan GutperlB2B.strategieB2B.trendsB2B,e-Commerce,ERP,Interview,PIMIm Herbst 2015 hat mit OroCommerce ein neuer Player die Bühne betreten. Der hat sich auf die Fahnen geschrieben, den Markt für B2B e-Commerce zu revolutionieren. Die Köpfe hinter OroCommerce sind die ehemaligen Magento-Gründer Yoav Kutner und Roy Rubin. Nach ihrer Erfahrung aus dem Magento-Projekt sowie aus den ersten...Die e-Commerce B2B Experten bloggen über Händler-Shops, ERP, PIM und das integrierte CMS eZ Publish