Individuelle Preise im B2B eCommerce – eine Hürde für viele Shopsysteme

29 Jan

Gerade eben konnte man im e-Commerce-Magazin lesen, dass die im B2B-Commerce üblichen kundenindividuellen Preise Shopsysteme vor große Herausforderungen stellen. Der Artikel skizziert kurz und knapp, wo die Schwierigkeiten liegen. Das Fazit fällt ernüchternd aus. Dem Autoren des Artikels zufolge scheidet eine Echtzeitberechnung kundenindividueller Preise aus Performance-Gründen aus. Und ein 1:1 Nachbau der ERP-Preislogik ist laut eines zitierten OXID Experten viel zu aufwändig und fehleranfällig.

Ist es wirklich nicht möglich, kundenindividuelle Preise in Echtzeit mit hoher Performanz im Onlineshop zu nutzen?

Nach mehr als 150 B2B eCommerce Projekten haben wir eine klare Antwort auf diese Frage: Ja es ist möglich und es ist auch zwingend notwendig.

Händler erwarten, dass sie auch im Onlinshop zu ihren individuellen Preisen und Bestellkonditionen bestellen können. Ohne wenn und aber.

Der Analyse des eingangs zitierten Artikels in Sachen Nachbau der Preislogik im Shop können wir jedoch nur zustimmen. Dieses Vorgehen ist aufwendig und riskant! Viele ERP Experten stehen bereits bei der Implementierung von Preislogiken im ERP vor großen Herausforderungen. Es ist schier unmöglich, komplexe, mehrdimensionale Preiskonditionen in einem Onlineshop nachzubilden. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Bei sehr einfachen Konditionen und Preisvarianten kann die gesamte Preisfindung unter Umständen unkompliziert im Onlineshop abgebildet werben. Unserer Erfahrung nach ist dies jedoch in der Mehrzahl der B2B Projekte nicht möglich.

Was ist also die Alternative? Die Alternative dazu ist es, dass der Shop die Logik des ERP Systems nutzt und die Preise dort berechnen lässt. Aber auch hier steckt der Teufel im Detail.

Preise für einen Stand-Alone Onlineshop im ERP berechnen – das wird schwierig

Viele am Markt bekannte eCommerce Lösungen und Onlineshop Systeme haben in der Regel erhebliche Probleme damit, die Businesslogik eines ERP-Systems zu nutzen. Dies ist verständlich, wurden sie doch als eCommerce Stand-Alone-Lösung entwickelt, welche vom Produktkatalog, der Artikelverwaltung bis hin zu Preisberechung und Versand-Tracking alles unter einem Dach abwickelt. Die Idee dahinter: der Kunde bekommt Shop und ein kleines ERP aus einer Hand. Für Kunden, die ein reines Online-Geschäft betreiben, ist dies eine ideale Lösung.

Für B2B Anbieter mit einer breiten Produktpalette, verschiedenen Vertriebskanälen und besonderen Konditionen für diverse Händlergruppen ist eine ERP-Anbindung an vielen Stellen unerlässlich. Dabei gerät die Anbindung eines solchen Shopsystems an ein ERP leider regelmäßig zum Albtraum:

  • Es kann zu langen Ladezeiten bei der Preisberechnung kommen.
  • Shoppreise weichen von den im ERP berechneten Preisen ab.
  • Der Versuch, individuelle Preise zu cachen, endet im „big data“ Desaster.
  • Preise werden teilweise per Ajax nachgeladen und belasten das ERP mehr als gedacht.
  • Das ERP-System wird unnötig belastet.
  • Ist das ERP nicht verfügbar, kann der Kunde oftmals nicht bestellen.

Wie kommen Preise zuverlässig und performant vom ERP zum Shop?

silver.solutions hat bei der Entwicklung des silver.e-shop konsequent den Ansatz „ERP first“ verfolgt. Der Shop wurde von vornherein für die Anbindung an ERP-Systeme entwickelt, ist jedoch nicht einfach ein Add-On oder ein Zusatzmodel zum ERP. silver.e-shop ist auch für sich allein genommen ein vollwertiges Shop-System, das bei Bedarf komplett eigenständig funktioniert. Ganz gezielt wird dort wo es sinnvoll und zwingend ist die Businesslogik des ERP genutzt, und an vielen anderen Stellen eben nicht.

Die Belastung des ERP wird durch ein optimiertes Zugriffskonzept stark reduziert. So wird beispielsweise bei einer Preisanfrage mit vielen Positionen nur eine einzige Anfrage ans ERP übermittelt anstatt vieler verschiedener Anfragen. Ganz generell werden Anfragen ans ERP nur dann gestellt, wenn es wirklich erforderlich ist.

Speziell entwickelte Module wie der Chained Price Provider, das ERP Message Modul, der Debitor Vorlagen Service oder optimierte Caching Verfahren sorgen für eine möglichst reibungslose und effiziente Kommunikation zwischen Onlineshop und ERP.

Und was ist, wenn das ERP einmal nicht erreichbar ist? Fallbackverfahren sorgen dafür, dass in diesem Fall der Shopbetrieb weiter geht und keine Bestellungen und Kunden verloren gehen.

Augen auf bei der Wahl des Shopsystems

Unterschiedliche Bedürfnisse erfordern unterschiedliche Lösungen. Bei der Wahl der geeigneten eCommerce-Lösung muss ganz genau geschaut werden, welche Prozesse müssen unterstützt werden und wie komplex sind die bereits im ERP implementierten Abläufe und Logiken. Für einige Kunden wird sich dabei herausstellen, dass einer der vielen am Markt etablierten Stand-Alone-Shops die passende Wahl ist. Besonders für B2B-Anbieter stellen sich jedoch oftmals Fragen, die mit einem Shop von der Stange so nicht einfach zu lösen sind. Hier kommen dann eCommerce Lösungen wie silver.e-shop ins Spiel. Eine intelligente Verknüpfung von ERP und Shop spart Kosten und vereinfacht die Arbeit für alle Beteiligten.

Frank Dege

Ich bin seit mittlerweile fast 30 Jahren online (irgendwann hieß das ja mal BTX) und beschäftige mich schon fast genauso lange mit dem Thema elektronischer Handel. Schon im Rahmen meiner Diplomarbeit an der TU Berlin haben wir im Team einen Online-Shop entwickelt und automatische Test-Verfahren für Online-Anwendungen entworfen. Nach der Gründung der eigenen Firma im Jahr 2000 ging der Fokus noch stärker auf das Thema Onlineshops, hier bereits früh im Zusammenspiel mit einem ERP-System. Für silver.solutions verantworte ich federführend die Architektur und Produktstrategie unserer eigenen Onlineshop-Software silver.e-shop. Wir nutzen seit 2003 eZ Publish als Plattform für unseren Shop und ich bin immer noch absolut überzeugt davon, dass es das leistungsfähigste CMS überhaupt ist. Das sagen andere über Frank: Trendforscher /// immer neugierig auf neue Entwicklungen /// wenn er nicht programmiert, dann tischlert er.

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